Beatles Platz

5. September 2008

Es hat sehr lange gedauert bis die Stadt Hamburg sich entschließen konnte, den legendären Beatles, die ihre unvergleichliche Karriere 1960 in Hamburg begannen, ein Denkmal zu setzen, bzw. eine Platz nach ihnen zu benennen. Es ist naheliegend, dass dieser Platz im Herzen von St.Pauli sein musste. Denn im „INDRA“ in der Großen Freiheit hatten die Beatles (damals noch zu fünft) ihren aller ersten Auftritt, danach spielten sie ein paar Take im „Kaiserkeller“, ebenfalls in der selben Straße, bevor sie in den folgenden 2 Jahren mehrere Engagements im „Top Ten Club“ auf der Reeperbahn hatten. Am 13. April 1962 spielten sie im neu gegründeten „Star Club“ in der Großen Freiheit – der Straße in der sie ihren aller ersten Hamburg-Gig hatten.

Der Rest ist Geschichte, die Beatles spielten auch im „Star Club“ des öfteren, lernten dort ihren späteren Schlagzeuger Ringo Star kennen, und eroberten von der Großen Freiheit aus die Welt.


Folglich ist es logisch, dass an der Kreuzung Reeperbahn / Große Freiheit der Beatlesplatz sein wird.

Die Initiative dazu hat der Hamburger Radiosender „Oldie 95“ vehement gepuscht. Unermüdlich macht er seit Jahren in seinem Programm dafür Werbung und hat sogar eine erfolgreiche Spendeninitiative ins Leben gerufen. Jedoch bei der baulichen Planung und Umsetzung hat das Straßenbauamt das Heft in die Hand genommen – und es sich leider nicht mehr aus der Hand nehmen lassen.

Den Grundgedanken, den Platz als einen Schallplattenteller zu gestalten, auf den die Beatles-Skulpturen stehen, fand wohl jeder gut. Auch ich war davon begeistert und habe fast ein halbes Jahr, gut gelaunt in freudiger Erwartung auf den Beatles-Platz, die Baustelle in Kauf genommen, wenn ich ein Lokal in der Großen Freiheit oder die „China Lounge“ besuchte.


Um so größer die Enttäuschung, als ich nun das fast fertige Ergebnis sah. Es mag eine stilistische Geschmackssache sein, wie man die Beatles-Skulpturen gestaltet – ich bin der Meinung Bronze- oder zumindest massive Skulpturen wären angebracht gewesen. Statt dessen hat man lediglich Silhouetten geformt, die aussehen wie abstrakte Backformen, mit denen man Plätzchen aussticht. Aber wie gesagt – das ist Geschmackssache (sogar wortwörtlich, wenn man an die Backform denkt), und über Geschmack lohnt es nicht zu streiten.


Was aber absolut unverzeihlich ist, das ist die Anordnung der Beatles auf dem selbigen Platz. Man mag noch verzeihen können in welcher Reihenfolge von links nach rechts, die Beatles neben einander stehen (denn darüber regen sich tatsächlich bereits die Leute in der BILD-Zeitung auf), was aber absolut unverzeihlich ist, das ist der Standort der Band auf dem Platz selbst. Denn es ist ja wohl klar, dass diese Skulpturen von allen Touristen fotografiert werden.

Statt dass man die Beatles-Skulpturen so aufgestellt hat, dass im Hintergrund die weltberühmte Silhouette der Großen Freiheit mit seinen legendären Neon-Reklamen zu sehen ist, fotografiert jetzt jeder Tourist die Beatles unweigerlich mit dem LIDL-Supermarkt-Logo als Hintergrund.

Man muss sich das mal vorstellen, die gesamte Nation und der Rest der Welt wird am 11.September 2008 Zeuge, wie die Beatles-Skulpturen vom Bürgermeister enthüllt werden. Hunderte von Journalisten, Fotografen und TV-Teams aus aller Welt werden dem Spektakel beiwohnen und das blau-gelb-rote Logo eines Supermarktes als unübersehbaren Hintergrund eines als Hamburger Wahrzeichen gedachten Platzes um die Welt senden. Anstatt das unvergleichliche Flair der Großen Freiheit.

H I L F E  ! ! !

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