Box WM in Hamburg

8. Oktober 2008

Letztens war ich in Hamburg beim Boxkampf um die WM im Cruisergewicht zwischen Titelverteidiger Firat Arslan aus Deutschland und seinen Herausforderer Guillermo Jones aus Panama.

Um es kurz zu machen, es war aus deutscher Sicht eine Katastrophe. Firat boxte nicht, sondern stand nur in Doppeldeckung vor seinen Gegner, ohne sich zu bewegen. Guillermo Jones traf Firat fast wie er wollte – und das auch durch die Doppeldeckung.

Fazit: Firat blutete am Kopf so sehr, dass der Ringrichter drei mal den Ringarzt kommen ließ, damit dieser checkte, ob Firat überhaupt noch kampffähig ist.

In der 10. Runde war Firat so sehr von den Schlägen gezeichnet und geschwächt, dass dem Ringrichter nichts anderes übrig blieb, als den ungleichen Kampf abzubrechen.

Man kann Firat Arslan lediglich bescheinigen, dass er außergewöhnliche Nehmerqualitäten hat, denn andere Boxer wären vermutlich längst K.O. gegangen oder hätten aufgegeben. Aber das allein reicht leider nicht, um den WM-Gürtel zu verteidigen.

Schade – ich hätte Firat den Sieg gegönnt, denn er ist sehr sympathisch


Der zweite Hauptkampf war ein sog. “Eliminator-Fight” um das Recht gegen den WBC-Weltmeister im Schwergewicht zu boxen.

Der Kampf birgte mehr Brisanz als man glaubt. Denn die Kämpfer kamen zum einen aus dem Hamburger Universum-Boxstall von Peter Kohl (Wladimir Virchis) und zum anderen vom Hamburger Boxstall ARENA (Juan Carlos Gomez), der von Ahmet Öhner gemanagt wird.


Klingt unspektakulär, ist es aber nicht

Ahmet Ă–hner war einst selbst Boxer bei Universum, bis er die Tochter vom Universum-Chef-Trainer Fritz Sdunek heiratete und einen Geldgeber fand, der ihm einen eigenen Boxstall finanzierte, der wiederum in direkter Konkurrenz zu Universum steht.

Auf nicht gerade diplomatische Art versuchte Ă–hner div. Boxer und Trainer vom Universum-Boxstall abzuwerben. Bei einige gelang ihm das; u.a. bei Juan Carlos Gomez, der bei Universum zum Weltmeister im Cruisergewicht wurde.

Gomez wiederum machte nicht nur Universum in der Vergangenheit durch sein exzentrisches Verhalten einige Schwierigkeiten, sondern schwängerte auch die Tochter seines Ex-Trainers Sdunek, um sie dann sitzen zu lassen.

Bis hier her alles verstanden und in die Reihe gebracht? – O.K. dann wisst ihr jetzt also, dass Ahmet Öhner der Manager von Gomez und der Stiefvater dessen Tochter ist, was bedeutet, dass er auch der Schwiegersohn vom Universum-Chef-Trainer, Fritz Sdunek, ist.


Da aber diese Familienbande den Universum-Boss Peter Kohl ungerührt lässt, hat der dafür gesorgt, dass Ahmet Öhner in der Color Line Arena Hausverbot erhielt, weil es vor einigen Monaten zu eine Schlägerei zwischen Ahmet Öhner und seinen beiden überforderten Bodyguards auf der einen Seite und den übermotivierten persönlichen Bodyguards von Peter Kohl auf der anderen Seite kam.


Diese Schlägerei wurde damals von den TV-Kameras gefilmt, so konnte bewiesen werden, dass der Auslöser dieser Schlägerei die Kohl-Bodyguards waren. Dieser Beweis nervte Kohl natürlich, deshalb sorgte er kurzer Hand dafür, dass Ahmet Öhner Hallenverbot bekam. Beim Boxen zählt außerhalb des Rings nicht das Gesetz des Stärkeren, sondern das des Mächtigeren.


So kam es, dass Juan Carlos Gomez in Abwesenheit seines Managers, den Universum-Boxer Wladimir Virchis in einen 12-Runden-Kampf klar und eindeutig besiegte – das konnten diesmal selbst die Punktrichter nicht verhindern.

Kohl, der es gar nicht lustig fand, dass auf seiner eigenen Veranstaltung, sein ehemaliger und mittlerweile zum „Feind“ übergelaufene Boxer Gomez die Universum-Hoffnung Virchis demontierte, lies kurzer Hand die Gage für Gomez, die er als Veranstalter zahlen müsste, pfänden. Mit der Begründung, dass Universum noch Gelder und Schadenersatz von Gomez zustünden, aus der Zeit als er noch für Universum boxte.

Ich hoffe ihr seit jetzt nicht verwirrt, aber ein Boxkampf ist eben nicht nur ein einfaches Kräftemessen zwischen zwei Männern. Die Entscheidungen fallen nicht immer im Ring.

  • Facebook
  • MySpace
  • Twitter